Ein Hundeleben
Ein Hundeleben
Ein (zwei) Hundeleben
Ein (zwei) Hundeleben

Abschnitt 1

Kapitel 1

Ich Timo

Die ersten zwei Jahre 2004 - 2005

Ich weiß nicht, wo ich her komme, von Polen? Von irgendwo? Keine Papiere außer einem Impfnachweis für die Erstimpfung. Auf jeden Fall war ich bei einem Menschen, der mich verkaufen wollte. Ich musste warten, keine Mutter, keinen Vater bei mir. Meine Geschwister waren alle schon weg, ich war der letzte, ein einsamer Golden-Retriever-Welpe.

Und da war plötzlich einer, der wollte mich haben. Ich habe mich von meiner besten Seite gezeigt, war lieb und fröhlich, trotz meiner erst 10 Wochen, aber ich wollte hier raus, hab ihn auch liebevoll angesprungen.

 

Mein Geburtsdatum war nach Verkäuferangabe der 26.10.2003,

Welch eine Freude, er wollte mich haben ich war so niedlich, na ja. und das war am 8.1.2004.

Aber dann, oh Elend, in einer Kiste in einem dunklen Kofferraum, draußen war es auch schon dunkel. Eine lange Fahrt ohne alle Kontakte. Was war das? Ich hatte solche Angst. Wusste mein neuer Besitzer nicht, dass man junge Hunde nicht in dunkle Kisten steckt? Da ist man so alleine.

Nach einer für mich unendlich langer Zeit war die Fahrt zu Ende und ich wurde aus dem Auto geholt und in ein Haus gebracht. Da roch es so komisch und fremd. Ich bekam zwar ein Hundekörbchen, aber das roch auch so fremd, und da sollte ich unbedingt rein gehen. Ich sollte nicht die Treppe hoch ins Schlafzimmer, unbedingt im Körbchen bleiben.

Das war mir gar nicht recht und ich habe alles versucht, die Treppe hoch zu kommen, habe ganz fürchterlich geheult und gejault. Nach zwei-drei Nächten, als ich auch mal die Treppe runter gefallen war, war es endlich soweit, ich durfte mit hoch, das war meine erste sture Aktion, so sollte es bleiben.  Aus mir wurde mit der Zeit ein lieber, aber äußerst sturer Retriever-Rüde. Ich durfte zwar nicht ins Schlafzimmer, aber vor der offenen Tür auf meinem Hundekissen liegen, da konnte ich wenigstens Frauchen und Herrchen sehen und riechen.

Sie haben mich inzwischen Timo genannt, meinen richtigen Geburtsnamen kannte ja keiner, aber Timo hat mir auch gefallen.

 

 

Häufchen und Pipi machen sollte ich die ersten Wochen im Garten, war bequem für mein Frauchen und Herrchen, auch für mich, ich musste ja alle ca. 3-4 Stunden raus, auch nachts, damit ich lerne, nicht in die Wohnung zu machen.

Die ersten Tage hatte ich einen fürchterlichen Durchfall und musste oft in die Wohnung machen. Frauchen und Herrchen haben nicht mit mir geschimpft, denn ich wusste und konnte es nicht anders. Dann wurde ich immer in den Garten getragen und geschickt. Nach ungefähr 2-3 Wochen wusste ich, was gemeint war. Da wusste ich, Pipi und Häufchen machen nur draußen im Garten. Aber graben sollte ich nicht, und das hätte mir so gut gefallen. Dafür durfte ich aber mit allerlei Spielzeug spielen. aber graben wäre halt schöner gewesen, es roch so gut nach Erde und Mäuschen.

So wurde ich langsam etwas älter und ich sollte plötzlich draußen beim Spaziergang Häufchen und Pipi machen, aber im Garten hatte ich meine guten Stellen, und deshalb habe ich immer gewartet, bis wir wieder zu Hause waren und ich in den Garten durfte. Nach einiger Zeit habe ich es dann aufgegeben und mich den Wünschen meiner großen Partnern gefügt. Ich habe mir unterwegs einige Stellen gemerkt, wo ich mein Geschäft erledigen konnte, da konnte ich gleich meinen anderen Genossen zeigen, dass ich hier lebe und ich hier das Sagen habe. Denn wo man wohnt, hat man auch sein Revier, dass müssen die anderen auch wissen.

 

Eines Tages musste ich mit Frauchen gehen, aber nicht spazieren gehen, wohin? Da waren auf einmal viele Hunde, alle ungefähr so alt wie ich, ½ Jahr. Prima spielen mit den anderen. Aber plötzlich wieder an die Leine und neben dem Frauchen laufen. Was jetzt? Lernen neben Frauchen gehen, Befehle wie Sitz und Platz lernen, eine Welpenschule. So ging das einige Zeit weiter. Dann kamen einige andere Befehle, „sitz-bleib“: ich sollte an einer Stelle sitzen bleiben, Frauchen ging weg, und ich sollte dann auf Kommando hinterher kommen. Aber da waren die anderen Hunde, das gefiel mir besser. Das hätte ich lieber bleiben sollen, denn da wurden Frauchen und die Trainerin nach einigen nutzlosen Versuchen richtig böse. Weil ich nicht wollte, zog mich die andere Frau an der Leine über den Rasen, denn freiwillig laufen wollte ich nicht, lieber spielen und machen, was ich wollte.

Die Hundeschule hab ich dann doch geschafft, auch die Hundelehrerein, die hat es nämlich aufgegeben, mir die Befehle einzutrichtern. Der hab ich’s mal gezeigt, was ein richtig sturer Hund ist, mir menschlichen Gehorsam beizubringen, ha ha. Ich Hund, du Mensch. Zwar kannte ich dann die Befehle „Sitz“ und „Platz“, „Bleib“ und „Komm“, und „Bei Fuß“ aber nur wenn ich wollte oder nach guten Zureden oder mit einem Leckerchen. So einigermaßen hab ich schon gehört, der Rest war meine angeborene Sturheit. Zum Ausgleich war ich sonst sehr lieb und zutraulich, auch zu meinen anderen Hundegenossen, denen wir begegnet sind, Hündinnen mochte ich sowieso gut leiden, schon als junger Hund.

Ein paar Hunde-Schulstunden musste ich noch über mich ergehen lassen, u. a. eine Junghundeschule, und Stunden bei zwei anderen Hundeschulen, war aber alles nichts richtiges, habe ich mit Widerwillen mitgemacht, na so la la, bin eben ein lieber sturer Retriever. Hab auch ein bisschen was gelernt dabei. Frauchen und Herrchen hat es offenbar auch gereicht, denn irgendwann war Schluss damit.

Nach ca. 9 Monaten konnte ich auch mein Bein beim Pinkeln heben, das machen nur Rüden, um ihr Revier zu markieren: Hier bin ich, das ist mein Revier. Je höher das Bein um so besser, denn dann denk der andere: Wau, ist der groß. Weibchen pinkeln im Sitzen, die brauchen nicht zu markieren, die sollen sich um den Nachwuchs kümmern. Wir Rüden machen den Rest.

So verging ein Jahr und ich wurde plötzlich unruhig, war da nicht ein Hund, der so gut roch, aha, eine Hündin, da musste ich hin. Keiner wollte das begreifen, ich sollte brav sein und bleiben. So eine Unverschämtheit, ausgerissen und hinterher, aber wo war sie, schnüff schnüff, weg und in einem Haus verschwunden. Dann wurde ich weggeholt, schade, sie roch so gut. So ging es

weiter und ich wurde ein richtiger Hund.

 

Jetzt hatte ich auch mein Schlafkissen im Wohnzimmer. 

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© Helmut Kautzner